Mein Statement zur Elektromobilität

Wir schreiben das Jahr 1885. In den immer größer werdenden Städten, verursachen die vielen Pferdefuhrwerke ein enormes Umweltproblem. Die Hinterlassenschaften der Gäule bringen die Städte zum stinken. Die ersten Automobile werden vorgestellt, doch die Menschen wehren sich gegen diese neue Technologie und es wird den motorbetriebenen Fuhrwerken der Kampf angesagt.Die Argumente von damals kommen mir bekannt vor:

  • „viel zu teuer“,
  • „für solche hohen Geschwindigkeiten ist der Mensch nicht geschaffen“
  • „sehr gefährlich“,
  • „es gibt nicht genug Benzin um alle Fuhrwerke zu ersetzen“,
  • „die Apotheken können gar nicht soviel liefern“ (kein Tankstellennetz),
  • „viel zu geringe Reichweite“,
  • „technisch anfällig und unausgereift“,
  • „der Verbrennungsmotor wird sich niemals durchsetzen“,
  • „was soll aus den Hufschmieden werden?„

Um zu zeigen wie ungefährlich und gut das Automobil ist, fuhr Bertha Benz mit ihren Kindern im Jahr 1888 eine Strecke von 106 km (von Mannheim nach Pforzheim) und löste über dieses waghalsige Unterfangen ein riesiges Presseecho aus. Fakt war, das 1910 mehr motorbetriebene Fuhrwerke auf den Straße zu sehen waren als Pferde. Auch damals ließ sich Technologie nicht aufhalten! Nach 130 Jahren ist nun auch das Ende des Verbrennungsmotors erreicht. Viele Argumente von damals hört man heute auch wieder, allerdings gegen das Elektroauto.

Warum ist trotz Gegenwehr die Zeit für Elektroautos gekommen?

  • einfachere Motortechnik (nur 25 statt 250 drehende Teile)
  • keine Abgasbehandlungsanlage
  • kein Schaltgetriebe
  • kein Kraftstofftank
  • IT-Technik (Potential für autonomes Fahren, Komfort und Sicherheit)
  • effizientere Technik (Batterie 90% und Motor über 95% Wirkungsgrad)
  • selbst wenn der Strom für eAutos in Ölkraftwerken produziert werden würde ist das eAuto im Betrieb umweltfreundlicher
  • Rekuperation (Energierückgewinnung und geringer Verschleiß der Bremsen)
  • Rohstoffe in der Batterie lassen sich wiederverwerten und sind nicht verloren
  • hohe Lebensdauer der Batterien (über 400.000 km bei Tesla)
  • „Second life“ der Batterien im stationären Betrieb
  • effizientere Batterietechnologien aufgrund der Nachfrage in Entwicklung
  • die Batteriepreise fallen jährlich um 17%
  • das Angebot an Elektrofahrzeugen wächst kontinuierlich
  • Ladenetzwerke werden immer stärker ausgebaut
  • Strom gibt es fast überall auf der Welt
  • Laden beim Parken (kein Tanken mehr)
  • Sektorenkopplung Strom/Verkehr mit Speichermöglichkeit für PV & Wind
  • mind. 75% Energieeinsparung von Primärenergie im Betrieb
  • Die Preise für eAutos fallen
  • minimale Umweltbelastung (Herstellung, Energie und Reifenabrieb)

Unsere Probleme die mit der Elektromobilität zu lösen sind:

  • Umwelt schützen (Klima, Umweltgifte, Feinstaub, Lärm)
  • Verbrauch von endlichen fossilen Energieträgern
  • Abhängigkeit von Energieimporten 10-30 Mrd. $ pro Tag

Die gesamten Emissionen des Autoverkehrs für Deutschland in 2014 (Quellle: Bundesumweltamt) zeigen wie wichtig ein Wandel ist:

. Kohlendioxid (CO2): 164.000.000 t
. Stickoxide (NOx): 490.000 t
. Ammoniak (NH3): 12.800 t
. NMVOC*: 96.800 t
. Schwefeldioxid (SO2): 4.900 t
. Staub: 45.200 t
. Kohlenmonoxid (CO): 803.500 t
. Schwermetalle**: 4.234 t

*NMVOC: unverbrannte Kohlenwasserstoffverbindungen
** Schwermetalle im Detail: As: 0,58 t, Cd: 0,80 t, Cu: 2.154 t, Cr: 26,45 t, Hg: 0,45 t, Ni: 10,30 t, Pb: 94,74 t, Se: 2,35 t, Zn: 1.944 t

Das häufigste Argument gegen eMobilität ist, das nicht genügend Strom zur Verfügung stehet. Auch das ist nicht richtig.

Laut Kraftfahrtbundesamt waren 2016 in Deutschland etwa 46 Millionen PKW zugelassen und sind insgesamt 635 Milliarden km gefahren. Dabei wurden 44,5 Milliarden Liter Kraftstoff (445 TWh/a) verbraucht. Für die Produktion von Kraftstoff werden etwa 1,6 kWh Strom je Liter für Exploration, Förderung, Transport, Raffinerie, Verteilung und Tankstellenbetrieb benötigt. Insgesamt also 71,2 TWh. Wenn man davon ausgeht, das ein ePKW durchschnittlich 170 Wh/km benötigt, komme ich auf einen Strombedarf von 108 TWh/a (170 Wh/km * 635 Milliarden km). Wenn wir dann noch die 71,2 TWh abziehen, die für die Kraftstoffproduktion nicht mehr benötigt werden sind dieses nur noch 37 TWh, also 6,7% der deutschen Nettotromerzeugung (548 TWh/a) in 2017. Anders ausgedrückt: Wir könnten so etwa 480 TWh Energie einsparen (19% unseres gesamten Endenergiebedarfes).

Dieser Betrachtungsansatz zeigt deutlich, welches großes Potential in der Elektromobilität steckt. Natürlich müssen die Batterien und die Infrastruktur noch weiterentwickelt und verbessert werden. Wir stehen noch am Anfang und es wird ja nicht alles an einem Tag umgestellt, sondern wird bestimmt 10-20 Jahre in Anspruch nehmen.

Von Michael Schallwig

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